Horst Eckerts Leichenschau
Ein Headhunter in Schwierigkeiten
Killian nennt sich Headhunter. Er spürt Leute auf, treibt Schulden ein, wenn es sein muss, mit Gewalt. Meist genügt aber sein Mundwerk, seine Überzeugungskraft, um Blutvergießen zu vermeiden. Killians Auftraggeber haben Gründe, sich an ihn zu wenden statt an die Polizei. Doch Killian fragt nicht nach diesen Gründen. Bis zu seinem letzten Job, der ganz anders verlaufen wird, als Killian zunächst denkt.
Eigentlich wollte er sich zur Ruhe setzen und Architektur studieren. Doch die Immobilienkrise hat seine Ersparnisse entwertet und so kommt ihm der Auftrag, der eine halbe Million bringen soll, noch einmal recht. Es geht um Rachel, Ex-Frau des steinreichen Unternehmers Richard Coulter, die mit den gemeinsamen Töchtern untergetaucht ist. Ein Verstoß gegen das vereinbarte Sorgerecht. Coulter möchte die Mädchen zurückhaben.
Killian heftet sich an Rachels Spur, die quer durch Nordirland führt. Bald bemerkt er, dass noch ein Headhunter unterwegs ist, ein Russe, der im Unterschied zu Killian nicht lange redet, sondern eine blutige Spur hinterlässt und offenbar nach Rachels Leben trachtet. Die Suche wird zum Wettlauf. Und Killian ahnt, dass sein Job ganz andere Gründe hat als die väterliche Sorge um zwei Kinder.
Irland, genauer: der britische Nordosten der Insel, spielt eine wichtige Rolle im Roman „Ein letzter Job“ des aus Belfast stammenden Autors Adrian McKinty. Landschaft und politischer Hintergrund sind geschickt in die Handlung verwoben, ohne der Geschichte das Tempo zu nehmen. Killian entstammt dem fahrenden irischen Volk der Pavee, auch Tinker genannt, die in Wohnwagen leben und eigene Sitten pflegen. Als er Rachel findet und vor dem russischen Killer schützen will, bringt er sie in einer Pavee-Gemeinschaft unter und erkennt, was ihm all die letzten Jahre gefehlt hat: die Bindung zu den eigenen Wurzeln.
Doch da gibt es noch den Russen und seine Auftraggeber. Zudem erscheinen die Naturverbundenheit der Pavee und ihre Solidarität zu romantisch, um auf Dauer dem Bösen standhalten zu können. Ein bitterböses Ende droht, wäre da nicht Killians wichtigste Waffe, sein Mundwerk. „Ein letzter Job“ verknüpft lakonisches Erzählen mit warmherziger Figurenschilderung und einer guten Prise Humor. Adrian McKinty ist nach Don Winslow („Tage der Toten“) die zweite große Krimi-Entdeckung des Suhrkamp-Verlags.
Adrian McKinty, Ein letzter Job, Suhrkamp, 396 Seiten, 15,50 Euro.

Die Krimikolumne "Horst Eckerts Leichenschau" im Stadtmagazin "Düsseldorf im Überblick" empfiehlt jeden Monat einen aktuellen Lieblingskrimi.
Juli 2012:
"Ein letzter Job"
von Adrian McKinty