Horst Eckerts Leichenschau
Hartmann sticht ins Wespennest
Eines ist im Krimi strikt verboten. Ein Mörder, der dem Ermittler mit vorgehaltener Pistole die Tat beichtet, nach dem Motto: Bevor ich dich erschieße, erzähle ich noch rasch, wie alles war. Das ist unrealistisch, kein Leser nimmt dem Autor diesen Kniff ab, mit dem er sich die Lösung des Falls allzu leicht macht. Nein, das geht gar nicht. Eigentlich.
Hartmann war einst ein gefeierter Fußballprofi, Seit er den Sport an den Nagel hängen musste, dribbelt er sich als Detektiv durchs Leben. Nach einer durchzechten Nacht wacht Hartmann mit Filmriss auf und staunt nicht schlecht. Neben ihm liegt eine schöne Unbekannte, eine zweite schläft auf der Couch. Eine Begegnung mit Folgen, denn die eine Frau entpuppt sich als Braut des örtlichen Rockerpräsidenten, der ihm nun nach dem Leben trachtet. Die Andere wird tot aufgefunden, und weil sie Hartmann als Detektiv konsultieren wollte, beginnt er zu ermitteln. Was wollte die Frau von ihm, eine Rumänin namens Svenja? Wer hat sie erschossen? Hartmann ringt den Rockern eine kurze Schonfrist ab. Doch als er sich in dem Hotel einmietet, in dem Svenja arbeitete, gerät er in nicht geringere Gefahr.
Zum Glück kann sich der Detektiv auf gute Freunde verlassen: Krake, der einarmige Wirt, Regenrinnen-Rita, die überlange Prostituierte, Johnny, der bärenstarke Taxifahrer. Klaus Stickelbroeck, niederrheinischer Autor und Polizist im Hauptberuf, schafft es, schräge Figuren zu entwerfen, die in keiner Zeile albern wirken. Er schöpft aus dem Leben und schreibt unter ständigem Augenzwinkern, ohne die Spannung zu vergessen. Dieses Rezept brachte dem Vorgänger „Fischfutter“ eine Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis ein, der alljährlich für den besten deutschsprachigen Kriminalroman vergeben wird.
„Auf die harte Tour“ präsentiert eine neue Gangart. Hartmann schlägt selbst zu und erpresst Geständnisse. Zudem bittet er den Zuhälter Huren-Heinz um Hilfe, wohl wissend, dass er damit seine Seele verkauft. Aber zugleich hat Hartmann das Herz auf dem rechten Fleck und stets eine freche Antwort auf der Zunge. So verzeihen wir die harte Tour gern. Und auch, dass gegen Ende die Mörderin mit gezogener Waffe verrät, wie’s war. Denn es geht weiter. Da ist ja noch der rachsüchtige Rockerboss.
Klaus Stickelbroeck, Auf die harte Tour, kbv, 266 Seiten, 9,50 Euro

Die Krimikolumne "Horst Eckerts Leichenschau" im Stadtmagazin "Düsseldorf im Überblick" empfiehlt jeden Monat einen aktuellen Lieblingskrimi.
September 2012:
"Auf die harte Tor"
von Klaus Stickelbroeck