"Anklänge an Ross Thomas und John le Carré"
Ein ehemaliger Drogendealer verschreibt sich dem Dschihad. Ein Kommissar sucht die undichte Stelle in den eigenen Reihen. Ein PR-Mann heuert bei einer rechtslastigen Partei an, die Angst vor dem Islam schürt. Und dann zündet die Bombe.
Interview mit Horst Eckert
von Reinhard Jahn (Bochumer Krimiarchiv, WDR5 Mordsberatung), April 2009
In SPRENGKRAFT entwerfen Sie das breite, differenziert gezeichnete Panorama aktueller Themen – Angst vor Überfremdung, islamistischer Terrorismus, Politikverdrossenheit und rechter Populismus: Ein Kriminalroman als Kommentar zum Zeitgeschehen?
Der Zusammenprall der Kulturen und die Antwort der Politik darauf sind extrem spannende Themen. George W. Bush hat es nach dem elften September sieben Jahre lang geschafft, sein Land in eine Kriegshysterie zu versetzen und Wertmaßstäbe umzustülpen. Deutschland ist von einem islamistischen Anschlag bislang verschont geblieben, aber ich frage mich: Was wäre, wenn? Ich dränge den Lesern keine Meinung auf, denn ich habe selbst kein Rezept. Vor allem ist Literatur zur Unterhaltung da. Aber gute Literatur regt auch zum Nachdenken an. Und das gilt meiner Meinung nach auch für den Krimi.
Militanter Islamismus, Kompetenzgerangel bei den Sicherheitsbehörden, organisierter Drogenhandel – wie tief sind Sie bei der Recherche in all diese Bereiche eingestiegen? Besonders die Geschichte des jungen Rafi, der sich radikalisiert, erscheint sehr dicht und glaubwürdig.
Für die Figur des Rafi gibt es kein reales Vorbild, aber ich konnte Leute befragen, die solche Jungs kennen. Ein Milieu, das diese Art von Radikalität ausbrütet, gibt es in jeder größeren deutschen Stadt. Es wächst, weil Integration nicht stattfindet. Im Gegenteil: Schulabgänger aus Migrantenfamilien sind die Ersten, denen unsere Gesellschaft klarmacht, dass sie nicht gebraucht werden. Rafi ist bereits zu Beginn schon zu fast allem entschlossen, aber ich wollte ihn trotzdem als Menschen zeigen, nicht als Fundi-Abziehbild. Er ist noch ein Junge, seine Wut ist in Teilen sogar nachvollziehbar.
Wut am Rand der Gesellschaft
Moritz Lemke wandelt sich vom seriösen Kölner Lokaljournalisten zum smarten, gewissenlosen Polit-PR-Profi, als er sich von der rechts orientierten Partei der „Freiheitlichen“ als Spindoktor für den Landtagswahlkampf einkaufen lässt – eine typische Medienkarriere?
Ich kenne die Maschinerie von innen und habe miterlebt, wie Medien und Politik sich gegenseitig einspannen und dem Konsumenten der Ware Nachricht etwas vormachen. Deshalb hat es mir großen Spaß gemacht, dieses Mal einen Journalisten neben drei Kripoleuten zur Hauptfigur zu machen. Moritz Lemke korrumpiert sich und redet sich ein, dass er ja nur Gutes will. Diesen Opportunismus gibt es allerdings nicht nur in Medien und Politik.
SPRENGKRAFT ist viel kraftvoller und vorwärtsdränger als Ihre bisherigen Kriminalromane, Sie verschränken die „klassische Polizeigeschichte“ um Ihr bekanntes Bullen-Ensemble mit einer Polit-Thriller-Story, die Anklänge an Ross Thomas und John le Carré hat. Werden Sie diesen Weg weitergehen – und vielleicht sogar bald einen reinen Polit-Thriller schreiben?
Zum ersten Mal glaube ich, wirklich einen Politkrimi geschrieben zu haben, obwohl man mir das Etikett schon mehrfach verpasst hat. Mitte der Neunziger war das Genre des Polizeiromans, der „Bullenoper“, wenn man so will, in Deutschland noch unterbelichtet. Ich denke, dass ich mitgeholfen habe, das zu ändern. Auf dem Gebiet des Thrillers, speziell des Politthrillers, hinken wir zum Beispiel den Angelsachsen noch hinterher. Das macht es für mich reizvoll, diesen Pfad einzuschlagen. Aber letztlich entscheidet die bessere Romanidee. Noch ist es zu früh, um etwas über das nächste Buch zu sagen.
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Noch Fragen?
"Sprengkraft", der neue Roman von Friedrich-Glauser-Preisträger
Horst Eckert
"Kraftvoller und vorwärtsdrängender als Ihre bisherigen Kriminalromane"
(Reinhard Jahn, Bochumer Krimiarchiv und WDR5-Mordsberatung)
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