Die Posse in der Presse

 

Ein Oberbürgermeister vierbietet eine Lesung und fällt damit auf die Schnauze

 

Die Düsseldorfer Lesungszensur gegen den Kriminalschriftsteller Horst Eckert im Frühjahr 2006 schlug hohe Wellen. Das Büro des Oberbürgermeisters hatte eine Lesung aus der Kurzgeschichte „Wege zum Ruhm“ in der Stadtbücherei kurz vor dem vereinbarten Termin der Büchereileitung untersagt.

 

In seiner einzigen Stellungnahme spricht OB Erwin am Tag darauf von "parasitärem Geschreibsel". Offenbar wird das Programm der öffentlichen Einrichtungen in der NRW-Landeshauptstadt nicht von Qualität und Publikumsinteresse bestimmt, sondern von der Ego-Pflege des Stadtoberhaupts.

Hier eine Auswahl der Pressestimmen:
"Satire über LTU-Arena - Düsseldorf stoppt Krimi-Lesung" (ddp)

"Stadt setzt Lesung von Krimiautor ab" (Rheinische Post)
"Syndikat protestiert gegen Akt der Zensur" (Buchmarkt) 

 

Der zweite Tag: Während das Presseamt der Stadt am Auftrittsverbot festhält ("Wir werden Eckerts Werken keine Bühne geben"), formulieren Prominente, Politiker und Kollegen ihre Solidarität mit Eckert und kritisieren den Düsseldorfer Oberbürgermeister. Dazu die Presse:
"Parasitäres Geschreibsel" (Der Neue Tag)
"Dorf an der Düssel"
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)

 

Tag drei, die Welle der Empörung reißt nicht ab. Der Skandal in den Medien: taz, Kölner Stadtanzeiger ("Düsseldorfer Blutgrätsche"), Berliner Morgenpost ("Düsseldorfer Krimi") und "Welt am Sonntag" ("Erwins Wildwest-Methoden"). Außerdem berichteten Deutschlandfunk, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau und viele andere. 

 

Übrigens: Der Pressespiegel des Düsseldorfer Amts für Kommunikation enthielt diese Artikel nicht. Auch hier wurde zensiert.

 

Dass das Lesungsverbot in Wahrheit ein Trick von OB Joachim Erwin war, um seinem Lieblings-Krimiautor zu noch größerer Popularität zu verhelfen, enthüllt Eckert in „Mein Freund Joe“.

 "Wege zum Ruhm" in: "Niederrhein-Blues und andere Geschichten"

ab Ende September 2010 bei Grafit


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