Wege zum Ruhm

in: "Blutgrätsche", Grafit 2006 

Nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis 2007 (Sparte: Beste deutschsprachige Krimi-Kurzgeschichte des Vorjahres).

Ein Oberbürgermeister in der Klemme und eine Rettungsaktion, die völlig aus dem Ruder läuft

Die Kurzgeschichte des Marlowe- und Glauser-Preisträgers Horst Eckert nimmt den im Rheinland bekanntlich recht verbreiteten Klüngel in der Kommunalpolitik aufs Korn. Wahre Begebenheiten beim Bau und Betrieb der neuen LTU-Arena in Düsseldorf gaben den Anstoß zu einer Farce mit schwarzhumoriger Pointe.

Von der Tragödie zur Farce ...

Oberbürgermeister Dagobert Kroll (mit dem echten Düsseldorfer OB Joachim Erwin eigentlich nicht zu verwechseln) hat sich hoffnungslos verstrickt und beansprucht die Hilfe eines Parteifreundes, Anwalt und Ratsherr Moritz Wagner, um den drohenden Skandal unter den Teppich zu kehren. Alte Gaunereien werden durch neue vertuscht, schließlich läuft die Aktion aus dem Ruder: Es fließt Blut und reichlich Geld - letzteres aber in ganz andere Kanäle als gedacht.

Am Ende steht die absurde Hoffnung, die OB Kroll in seiner notorischen Selbstüberschätzung bereits zu Beginn der Geschichte als Parole ausgibt: "Vielleicht werden wir doch noch WM-Austragungsort!" - was als Tragödie in die Trümmer ging, erlebt schließlich die Wiedergeburt als Farce.

... und zum handfesten Skandal 

Kaum zu glauben: Am 13.3.2006 verbot das Büro des Düsseldorfer Oberbürgermeisters die seit Wochen für den 30.3. geplante Premierenlesung in der Stadtbücherei, die für die Veranstaltung bereits Werbung in Flyern und im Internet gemacht hatte. Die Zensur löste einen bundesweiten Skandal aus. Dennoch erklärte Düsseldorfs Oberbürgermeister die Kurzgeschichte zum "parasitärem Geschreibsel", das man nicht "promoten" wolle. Kollegen, Lokalprominenz und unzählige Leser solidarisierten sich mit Horst Eckert. Die zahlreichen Ersatzlesungen in nicht-städtischen Räumen waren stets ausverkauft. Seine Erfahrungen verarbeitete Eckert zu einer Satire, die nun den echten OB zum Gegenstand hat: Mein Freund Joe.

Wer sich zu erkennen meint, ist selber schuld

Eckert betont wie schon bei seinem Roman "617 Grad Celsius" (mit landespolitischen Bezügen): Sämtliche Figuren und - in dieser Zuspitzung - auch die Handlung sind frei erfunden. Dass sie gleichwohl plausibel und realistisch erscheinen, ist Aufgabe von Kriminalliteratur wie der Autor sie versteht. 

Es macht es dem gelernten Fernsehjournalisten natürlich Spaß, die Politik (hier: Kommunalpolitik in einer Großstadt und die Frage, wie sie ihre Akteure verbiegen kann, bis hin zum Größenwahn, der sie glauben lässt, sie seien über jede Moral erhaben) zum Thema zu machen.

Übrigens: Ein Wiedersehen mit Dagobert Kroll, dem ruhmsüchtigen, kleinwüchsigen und kahlköpfigen OB mit dem Haifischlächeln, "das untrüglich signalisierte, dass mit ihm nicht zu spaßen war", gibt es in Horst Eckerts neuem Roman "Königsallee".

Pressestimmen: hier.

 

Noch Fragen? Interviewwünsche oder Lesungsanfragen bitte an diese Adresse richten.

"O weh, OB! Neuer Eckert-Krimi nimmt Arena-Klüngel aufs Korn" (Düsseldorfer Express)

ab 15. Februar im Buchhandel: "Wege zum Ruhm", in: "Blutgrätsche - 13 Fußballkrimis", Grafit)

"'Und wir werden doch noch WM-Austragungsort', raunte Oberbürgermeister Kroll ihm zu. Der kleinwüchsige und kahlköpfige OB reckte siegesgewiss den Daumen nach oben, riss die Tür auf und schaltete beim Anblick der Medienmeute sein berüchtigtes Lächeln ein - jenes Zähnefletschen, welches untrüglich signalisierte, dass mit Dagobert Kroll nicht zu spaßen war." (aus: Wege zum Ruhm)


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